Juliane Bräuer
Referent*innen
Dr. rer. nat. habil
Juliane Bräuer
ist Verhaltensbiologin und spricht über wissenschaftliche Studien zum Mantrailing.
Über die Referentin:
Dr. Juliane Bräuer hat Biologie in Würzburg und Leipzig studiert und am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig promoviert. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt in der Vergleichenden Psychologie: Sie untersucht die kognitiven Fähigkeiten von Tieren im Vergleich zum Menschen und spürt dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sie eine Vielzahl von Verhaltensstudien mit Menschenaffen, Hunden, Wölfen und Schweinen durchgeführt und ihre Ergebnisse in zahlreichen Fachpublikationen veröffentlicht.
Besonders fasziniert ist sie von der Kognition des Hundes, der im Verlauf seiner langen Domestikationsgeschichte bemerkenswerte Fähigkeiten entwickelt hat, um in der menschlichen Welt zu bestehen. Ihre Leidenschaft für dieses Thema spiegelt sich auch in ihren Büchern wider: „Klüger als wir denken: Wozu Tiere fähig sind“ (Springer Spektrum, 2014), „Was Hunde wissen“ (Springer Spektrum, gemeinsam mit Juliane Kaminski, 2021) und „Hunde der Welt“ (Springer Spektrum, 2026).
Vortrag: „Scent work - Was wir (nicht) wissen“
Mantrailer-Hunde sollen teils über große Distanzen und nach erheblicher Zeit. die individuelle Spur eines Menschen verfolgen können. In der Praxis werden beeindruckende Erfolge beschrieben und in Ermittlungs- wie Vermisstensuchen wird zunehmend auf diese Hunde gesetzt.
Wissenschaftlich ist die Lage jedoch deutlich weniger klar. Zwar ist gut belegt, dass Hunde über eine ausgeprägte Geruchswahrnehmung verfügen und Gerüche unterscheiden können. Speziell zur Frage, wie individuelle Menschenspuren wahrgenommen, verarbeitet und über Zeit verfolgt werden, existieren jedoch nur wenige kontrollierte Studien. Viele zentrale Punkte sind bislang nicht ausreichend untersucht: Welche Geruchskomponenten spielen tatsächlich eine Rolle? Wie stabil sind individuelle Geruchsspuren unter realen Umweltbedingungen? Wie wirken sich Temperatur, Wind, Untergrund oder Zeitverzögerung aus? Und wie lassen sich Hundeleistung und mögliche Einflüsse durch den Menschen methodisch sauber voneinander trennen?
Juliane Bräuer ordnet die vorhandenen experimentellen Befunde ein und fragt kritisch:
Was ist empirisch gut belegt und wo bewegen wir uns im Bereich plausibler, aber bislang nicht ausreichend geprüfter Annahmen? Ziel ist eine realistische, wissenschaftlich fundierte Einordnung von Möglichkeiten und Grenzen des Mantrailings sowie anderer Bereiche der Nasenarbeit.
Schloss Ulrichshusen