Programm
Das Konferenz-Programm
Gesunde Hunde
Dr. Nora Brede: „Willkommen auf der KynoKon“
Dr. Marie Nitzschner: „Mehr als Bauchgefühl – wie Wissenschaft die Praxis bereichert“
Dr. Anja Maria Geretschläger: „Möglichkeiten und Grenzen der genetischen Testung beim Hund“
Prof. Dr. Achim Gruber: „Geschundene Gefährten: Über Krank- und Defektzuchten bei Hunden mit Hintergründen, Auswegen und aktuellem Stand“
tba.
Prof. Dr. Axel Wehrend: „Kastration beim Hund“
Dr. Stefanie Handl: „Futtermythen“
Von der Natur auf die Couch
Ankündigungen
Dr. Carsten Nowak: „Die Ausbreitung des Wolfs in Deutschland – Was sind das für Wölfe und wieviel Hund steckt da drin?“
Prof. Dr. Friederike Range: „Das Verhalten und die Kognition freilebender Hunde“
Dr. Juliane Bräuer: „Kulturelle Unterschiede in Hund-Mensch-Interaktionen“
Dr. Marcel Sebastian: „Ein soziologischer Blick auf die Hund-Mensch-Beziehung“
Dr. Annegret Grimm-Seyfarth: „Forschung rund um den Einsatz von Artenschutzspürhunden“
Neues über Hunde
Ankündigungen
Dr. Christoph Völter: „Neue Techniken und wie sie uns helfen, Hunde besser zu verstehen“
Prof. Dr. Ludwig Huber: „Wie Hunde das Verhalten von Menschen lesen“
Dr. Annika Bremhorst: „Emotionen beim Hund“
Dr. Nora Brede: „Das war die KynoKon“
Vorbereitung
Modul 1: Mein Lernziel – Die KynoKon gezielt nutzen
In diesem Modul definierst du deine persönlichen Lernziele für die KynoKon, sammelst gezielt Fragen, entwickelst eine Strategie zur Auswahl passender Programmpunkte, erlernst Methoden für aktives Zuhören und strukturiertes Mitschreiben und planst, wie du die gewonnenen Erkenntnisse direkt in deinen Arbeitsalltag überführst.
Modul 2: Sicher Netzwerken – Kontakte auf der KynoKon aufbauen und nachhaltig pflegen
In diesem Modul lernst du, was starke berufliche Netzwerke ausmacht, übst sichere Einstiege mit Icebreakern und Small Talk, entwickelst gezielte Strategien für die Präsenzformate der KynoKon und erarbeitest Routinen, um neu geknüpfte Kontakte langfristig zu pflegen.
Inhalte
Dr. Marie Nitzschner: „Mehr als Bauchgefühl – wie Wissenschaft die Praxis bereichert“
Intuition, Erfahrung, Bauchgefühl – vieles, was im Umgang mit Hunden selbstverständlich erscheint, basiert auf einer Vielzahl an Eindrücken und Einschätzungen. Doch eine belastbare Intuition entsteht nicht im luftleeren Raum: Sie entwickelt sich dort, wo Fachwissen, Erfahrung und Reflexion zusammenkommen. Wissenschaft liefert dafür keine Rezepte, aber sie schafft Orientierung, hilft dabei, komplexe Fragen differenziert zu betrachten, und schützt vor vorschnellen Urteilen. Sie bildet die Grundlage, um Aussagen einordnen und Fakten von Meinungen unterscheiden zu können. In diesem Vortrag geht es darum, wie Theorie und Praxis sich gegenseitig stärken – und warum es sich lohnt, den Blick über den Tellerrand zu wagen.
Dr. Anja Maria Geretschläger: „Möglichkeiten und Grenzen der genetischen Testung beim Hund“
Zahlreiche Erkrankungen bei Hunden, darunter Autoimmunerkrankungen, Allergien und Stoffwechselstörungen, stehen im Zusammenhang mit genetischer Verarmung durch selektive Zucht. Der Vortrag beleuchtet, wie genetische Diagnostik dazu beitragen kann, genetische Risikofaktoren zu identifizieren und langfristig Gesundheitsprobleme in der Hundezucht zu reduzieren. Dabei werden aktuelle Forschungsansätze und ihre praktische Bedeutung für Prävention und Zuchtstrategien vorgestellt.
Prof. Dr. Achim Gruber: „Geschundene Gefährten: Über Krank- und Defektzuchten bei Hunden mit Hintergründen, Auswegen und aktuellem Stand“
Die gesundheitlichen Folgen selektiver Reinzucht werden zunehmend sichtbar – von extremen Zuchtmerkmalen bis hin zu einer tiefgreifenden genetischen Verarmung vieler Hunderassen. In diesem Vortrag werden aktuelle Forschungsergebnisse zu den Ursachen und Konsequenzen dieser Entwicklungen vorgestellt. Zugleich werden potenzielle Auswege wie genomische Selektion, kontrollierte Kreuzungszuchten, moderne Gentests und biotechnologische Verfahren (z. B. Genomkorrekturen, Klonen) auf ihre Machbarkeit und ethische Vertretbarkeit hin beleuchtet. Ziel ist es, nachhaltige Strategien für eine zukunftsfähige, gesundheitsorientierte Hundezucht zu diskutieren.
Prof. Dr. Axel Wehrend: „Kastration beim Hund“
Die Entscheidung zur Kastration eines Hundes wirft zahlreiche Fragen auf: Welche gesundheitlichen Vorteile bietet der Eingriff? Welche Risiken sind damit verbunden? Und wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Kastration? Prof. Dr. Axel Wehrend beleuchtet in seinem Vortrag aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu diesem Thema. Dabei werden sowohl medizinische Indikationen als auch potenzielle Nebenwirkungen diskutiert. Ziel des Vortrags ist es, fundierte Informationen an die Hand zu geben, um eine informierte Entscheidung über die Kastration zu ermöglichen.
Dr. Stefanie Handl: „Futtermythen“
Das Angebot an Hundefutter ist riesig – ebenso die Verunsicherung. Dr. Stefanie Handl beleuchtet in diesem Vortrag gängige Fütterungstrends wie Rohfütterung, getreidefreie oder vegane Ernährung und prüft sie auf ihre wissenschaftliche Grundlage. Sie erklärt, was Deklarationen auf Futtermitteln tatsächlich aussagen, zeigt potenzielle Risiken selbst zusammengestellter Rationen auf und ordnet Ernährungsmythen fachlich ein. Ziel ist es, ideologiefreies Wissen für eine ausgewogene und gesunde Ernährung von Hunden zu vermitteln.
Dr. Carsten Nowak: „Die Ausbreitung des Wolfs in Deutschland – Was sind das für Wölfe und wieviel Hund steckt da drin?“
Seit Anfang der 2000er-Jahre kehrt der Wolf nach Deutschland zurück und breitet sich in unserer Kulturlandschaft wieder aus. Dr. Carsten Nowak vom Senckenberg Forschungsinstitut begleitet diese Entwicklung seit Beginn wissenschaftlich. In seinem Vortrag gibt er einen Überblick über Herkunft, Ausbreitung, Lebensweise und genetische Situation der mitteleuropäischen Wolfspopulation. Dabei beleuchtet er auch Konfliktpotenziale – etwa im Umgang mit Nutztieren oder in der öffentlichen Wahrnehmung – und stellt diesen differenziert die Erkenntnisse aus jahrelanger Forschung gegenüber. Der Vortrag liefert aktuelle Einblicke in ein Tier, das fasziniert, polarisiert und viele Fragen aufwirft.
Prof. Dr. Friederike Range: „Das Verhalten und die Kognition freilebender Hunde“
Wie beeinflusst das Leben ohne direkten menschlichen Einfluss das Verhalten und die kognitiven Fähigkeiten von Hunden? Prof. Dr. Friederike Range berichtet in diesem Vortrag von einem laufenden Forschungsprojekt zu freilebenden Hunden in Marokko. Untersucht werden soziale und physikalische Kognition sowie soziale Dynamiken innerhalb der Gruppen. Im Vergleich zu Haushunden mit unterschiedlicher Sozialisierung sollen Rückschlüsse auf die Bedeutung von Sozialisation und Domestikation gezogen werden. Ergänzt wird das Projekt durch genetische Analysen, Bewegungsdaten und Befragungen lokaler Bevölkerungsgruppen. Die Ergebnisse liefern wichtige Einsichten in das Leben und Denken freilebender Hunde – und erweitern unser Verständnis der Art Hund jenseits des Haustierkontexts.
Dr. Juliane Bräuer: „Kulturelle Unterschiede in Hund-Mensch-Interaktionen“
Hunde haben eine außergewöhnliche Beziehung zum Menschen – wir können erstaunlich gut mit ihnen kommunizieren, sie verstehen und mit ihnen zusammenarbeiten. Allerdings stammt fast alles, was wir über das Verhalten, die Kognition und die Bindung von Hunden zum Menschen wissen, aus sogenannten WEIRD-Gesellschaften (westlich, gebildet, industrialisiert, reich, demokratisch).
In diesem Vortrag beleuchtet Dr. Juliane Bräuer die Frage, wie Hunde in nicht-westlichen Gesellschaften gehalten und behandelt werden und was für Funktionen sie erfüllen. Eine weitere Frage ist, ob ihre kognitiven Fähigkeiten wirklich universell sind.
Dr. Marcel Sebastian: „Ein soziologischer Blick auf die Hund-Mensch-Beziehung“
Der Umweltsoziologe Dr. Marcel Sebastian wirft einen kritischen, aber wichtigen Blick auf unser Verhältnis zu Tieren – mit besonderem Fokus auf die Mensch-Hund-Beziehung. In seinem Vortrag beleuchtet er die sozialen, kulturellen und institutionellen Rahmenbedingungen der Hundehaltung: von der Haustierhaltung im urbanen Raum bis hin zu Fragen von Verantwortung, Gewalt und Fürsorge. Dabei macht er deutlich, dass Hundehaltung nie nur privat ist, sondern immer auch ein gesellschaftliches Thema – und damit Teil unseres allgemeinen Umgangs mit Tieren.
Dr. Annegret Grimm-Seyfarth: „Forschung rund um den Einsatz von Artenschutzspürhunden“
Artenspürhunde werden zunehmend erfolgreich zum Nachweis bedrohter Tierarten eingesetzt – sei es durch das Auffinden lebender Tiere oder deren Losung. Ihre feine Nase ermöglicht es, auch seltene oder schwer auffindbare Arten in ihrem natürlichen Lebensraum zuverlässig aufzuspüren. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Erfassung und Überwachung bedrohter Populationen.
Der Vortrag gibt einen Überblick über die Einsatzmöglichkeiten von Artenspürhunden im Natur- und Artenschutz und beleuchtet zentrale Erfolgsfaktoren – von der Auswahl und Ausbildung der Hunde bis hin zu Umwelt- und Arbeitseinflüssen im Feld.
Dr. Christoph Völter: „Neue Techniken und wie sie uns helfen, Hunde besser zu verstehen“
In seinem Vortrag zeigt Dr. Christoph Völter anhand ausgewählter Studien, wie innovative Verfahren wie Eye-Tracking und 3D-Tracking auf Basis maschinellen Lernens dazu beitragen, das Verhalten und die kognitiven Fähigkeiten von Hunden präziser zu erfassen. Diese Technologien ermöglichen es, subtile Prozesse wie Blickbewegungen oder feinste Bewegungsmuster sichtbar zu machen, die mit klassischen Methoden oft übersehen werden. Völter gibt Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte und erläutert, wie diese Ansätze unser Verständnis von Wahrnehmung, Kommunikation und sozialem Denken bei Hunden grundlegend erweitern können.
Prof. Dr. Ludwig Huber: „Wie Hunde das Verhalten von Menschen lesen“
Hunde beeindrucken durch ihre Fähigkeit, menschliches Verhalten zu deuten – doch wie tief reicht ihr Verständnis? In diesem Vortrag gibt Prof. Dr. Ludwig Huber Einblick in aktuelle Studien zur sozialen Kognition von Hunden. Untersucht wird, ob und wie Hunde einschätzen können, was Menschen sehen, wissen oder glauben – etwa in Situationen mit widersprüchlichen Informationen oder falschen Annahmen. Die Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven auf das soziale Verständnis von Hunden – und darauf, wie sie unser Verhalten lesen.
Dr. Annika Bremhorst: „Emotionen beim Hund“
Wie zeigen Hunde Emotionen – und wie lassen sich diese zuverlässig erkennen? Dr. Annika Bremhorst gibt in diesem Vortrag einen Überblick über die wissenschaftliche Erforschung des emotionalen Ausdrucksverhaltens von Hunden. Dabei werden sowohl theoretische Grundlagen als auch methodische Ansätze zur systematischen Beobachtung vorgestellt.

Schloss Ulrichshusen
